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Impuls zum 19. April 2026

Zum 3. Sonntag nach Ostern

Miteinander teilen
Das Evangelium zum dritten Sonntag der Osterzeit ist die Emmausgeschichte (Lk 24, 13-35). Diese Geschichte nimmt uns mit auf den Weg von Jerusalem in das Dorf Emmaus, vom Aufbruch zweier Menschen über deren Auseinandersetzung unterwegs bis zur Gemeinschaft um einen Tisch, wo das Brot geteilt wird. 

Wie viele Darstellungen in der Kunstgeschichte gibt es von dieser Szene am Tisch in Emmaus: von der Ikone des Besuchs der drei Engel über einfühlsame Andeutung des unfassbaren Weggefährten bis zu aktualisierenden Bildern, die von der Beziehung des letzten Abendmahls und Emmaus zu uns heute Zeugnis geben. 

In der Aachener Josefskirche, die mittlerweile Kolumbarium ist, findet sich z.B. eine Darstellung der Künstlerin Rita Lausberg vom himmlischen Abendmahl mit Persönlichkeiten wie Bischof Klaus Hemmerle, Erzbischof Oscar Romero, Mutter Theresa, Papst Johannes XXIII., Martin Luther King, Edith Stein, Dorothee Sölle, Roger Schütz und Dietrich Bonhoeffer. 

Der Künstler Sieger Köder hat in San Pastore südlich von Rom an eine Wand das „Mahl der Sünder“ gemalt, im Hintergrund den barmherzigen Vater angedeutet, vorne am Tisch sitzend verschiedene „Sünder“, das heißt Menschen, die in irgendeiner Weise abgesondert sind durch ihre Hautfarbe, ihren Glauben, ihre Herkunft, ihr Auftreten. In der Mitte des Bildes sind zwei Hände zu sehen, die das Brot teilen: „Beim Brotbrechen erkannten sie ihn.“ 

Der Auferstandene ist da, wo Menschen sich auf den Weg machen und miteinander teilen: ihre Freuden und Sorgen, ihre Ängste und Hoffnungen, ihr Brot und ihre Liebe. 

Ich wünsche uns allen, 
  • dass wir wie die Emmausjünger Mut haben zum Aufbruch, 
  • dass wir uns wie die zwei Jünger auf dem Weg unseren Enttäuschungen und Verletzungen stellen und im Austausch darüber und in der Deutung vom Glauben her einen Sinn in allem sehen
  • und schließlich, dass wir in gelebter Gemeinschaft besonders mit den Abgesonderten, mit den Enttäuschten, mit denen, die sich auf den Weg machen miteinander, IHN erkennen: lebendig mitten unter uns. 

Lied Gotteslob Nr. 472

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung. Stunden werden eingeschmolzen, und ein Glück ist da.
Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung. Sätze werden aufgebrochen, und ein Lied ist da.
Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung. Waffen werden umgeschmiedet, und ein Friede ist da.
Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung. Sperren werden übersprungen, und ein Geist ist da. 

Ein Klagegebet
Aus einem Ökumenischen Gottesdienst beim Aachener Katholikentag 1986

Gott unsere Mutter
an den Wasserflüssen Babylons sitzen unsere Freunde und weinen 
Verschleppte, Vertriebene, Flüchtlinge, die wir Asylanten nennen, 
die die Spuren der Angst und des Leidens
und des Heimwehs an ihrem Körper tragen
sitzen sie bei uns in Babylon
wo wir die Türme in den Himmel bauen
und die Tiefflieger aufheulen lassen
zwischen Himmel und Erde
sitzen sie und weinen

Gott unser Vater
auch wir sind nicht ganz zuhause hier in Babylon
zwischen unseren Atomfabriken und Atombomben und Atomherren
auch wir weinen wenn wir an Zion denken
Deine Stadt voller Brunnen mit unverseuchtem Wasser
und voller Gerechtigkeit
auch wir hängen unsere Harfen in den Wind
well wir nicht singen mögen
nicht Deutschland über alles und nicht
Kein schöner Land kommt über unsre Lippen

Gott unser Bruder
du hast die Traurigkeit gekannt
du hast Angst gehabt wie jeder von uns
sogar deine Freunde haben dir Angst gemacht sogar 
deine Familie und dein Land
das besetzt war wie unsres
hat dir Angst gemacht
und deine Kirchen haben dir keinen Schutz geboten

Gott du Geist des Mutes
gib, dass wir unsre Traurigkeit leben 
ohne aufzuhören dich zu lieben
gib, dass wir mitten in Babylon
die Brunnen lebendigen Wassers suchen 
und lass uns nicht verdursten
nach Gerechtigkeit

Gott du Geist der Wahrheit
lass uns ein Stück Gerechtigkeit leben
dass wir die Armen, die uns um eine Wasserleitung bitten 
nicht fortschicken
dass wir die Wahrheit sagen wo die Lüge sich breit macht 
dasss wir denen helfen, die unsre Herren mit Krieg überziehen

Gott meine Schwester
ich weiß nicht ob du mir meine Traurigkeit wegnehmen willst 
sie ist so alt wie ich selber
aber ich weiß, daß du die Trauer der anderen
denen das Land genommen wird und die Kinder
mit mir teilen willst
Gib uns ihren Durst nach Gerechtigkeit
und lass uns alle nicht verdursten.

Dorothee Sölle